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Interessiert unter die Lupe genommen von Christoph Müller

Beim Geld hört die Freundschaft und auch die Verwandtschaft auf. Dies ist nicht nur eine Erfahrung, die viele Menschen immer wieder machen müssen. Dies ist auch eine juristische Erfahrung. Deshalb ist das Buch „Richtig vererben und verschenken“, das Otto Bretzinger bei der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen veröffentlicht hat, mehr als notwendig. Was während der Lektüre nachdenklich stimmt, ist die Tatsache, dass der Umgang mit den eigenen Vermögenswerten – mögen sie noch so gering sein – bei den Zeitgenossinnen und Zeitgenossen doch eher nachlässig erscheint.

Bevor Bretzinger dann in die detaillierte Betrachtung von Vererbungen und Schenkungen geht, klärt er darüber auf, wie wichtig die nüchterne Analyse der eigenen Situation ist. Bretzinger erläutert, wie entscheidend es ist, eigene Vermögensaufstellungen zu machen und zu überlegen, wer denn bei einer noch so kleinen Lebensversicherung als Bezugsberechtigter hinterlegt ist. Liest man Begriffe wie „Instrumente zur lebzeitigen Vermögensübertragung“, so wird der nicht juristisch geschulte Zeitgenosse unruhig. Bretzinger vermeidet jedoch in dem Buch, die Leserin bzw. den Leser mit einer zu überbordenden Fachterminologie zu überfordern. Sachlich und gut verständlich führt er die Leserinnen und Leser durch den Dschungel der Schenkungs-und Erbschaftsregelungen.

Bretzinger gibt grundsätzliche Informationen über Schenkungs-und Erbschaftsverhältnisse, wie es sie häufig in der Gegenwart gibt. So fühlt sich auch nicht der Leser verloren, der in Patchworkverhältnissen lebt. Bretzinger geht auch detailliert auf Fragen ein, die sich aus ehevertraglichen Umständen ergeben. So muss das Erben und Schenken nicht nur aus Sicht der Zugewinngemeinschaft verstanden werden, sondern kann nüchtern auch die Gütertrennung angeschaut werden.

Bezüglich des Verfassens von Testamenten erklärt Bretzinger differenziert die Unterschiede zwischen Testamentsformen. In diesem Zusammenhang ist sicher noch wichtig die Errichtung eines „Berliner Testaments“. Im Zusammenhang mit der Enterbung eines Familienmitglieds unterstreicht der Autor ausdrücklich, dass der Pflichtteil für den enterbten Menschen nicht verloren geht.

„Warum bei der Nachlassplanung Pflichtteilsansprüche zu berücksichtigen sind“, nimmt nicht ohne Grund einen breiten Raum ein. Grundsätzlich definiert Bretzinger: „Das Pflichtteilsrecht ist nicht identisch mit dem Erbrecht. Der Pflichtteilsberechtigte ist nicht wie der Erbe am Nachlass beteiligt; ihm steht nur ein Geldanspruch in Höhe seines Pflichtteilanspruchs gegen die Erben zu.“ ( S.175 )

Wer sich mit dem Erben, Vererben und Schenkungen im biographischen Lauf auseinandersetzen muss, dem ist mit dem Buch „Richtig vererben und verschenken“ auf jeden Fall geholfen. Es beantwortet grundsätzliche Fragen, auch wenn es nicht unbedingt verhindern wird, im Streitfall doch einen Rechtsanwalt zur Unterstützung zu nehmen bzw. das Amtsgericht anzustrengen.

Otto N. Bretzinger: Richtig vererben und verschenken, Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen, Düsseldorf 2015, ISBN 978-3-86336-629-2, 256 Seiten, 12.90 Euro.